Landrand Lüneburg

Folinge – utopische  Architekturen von Tosterglope
Kunstverein Lüneburg, Sonntag, 6. Juli bis Sonntag, 27. Juli 2014
Gemeinschaftsausstellung mit HAWOLI und Rupprecht Matthies

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Die Lage der Gemeinde Tosterglope in einer Endmoränenlandschaft gibt mir den Anlass, die topographischen, geomorphologischen Besonderheiten aufzugreifen und architektonisch zu verarbeiten. Durch architektonische Interventionen sollen die Ergebnisse der Geomorphologie für den Betrachter sichtbar und begreifbar gemacht werden. Gleichzeitig dienen Wünsche und Hinweise aus der Bevölkerung als Raumprogramm.

Diese beiden Ebenen also, die soziokulturelle und die geomorphologische, verschmelzen im Projekt Landrand miteinander, bedingen sich einander, um dadurch letztendlich ein neues Erscheinungsbild der Gemeinde Tosterglope zu erzeugen.

Was das Land um Tosterglope ausmacht, wird aus der Sicht des Künstlers, der von außen kommt, untersucht und in Architektur verdichtet. Das beginnt bei der Geomorphologie, geht über die bäuerlich geprägte Kulturlandschaft hin zu den pendelnden, nicht mehr mit/auf dem Land arbeitenden Bewohnern von heute. Es gibt also einen landschaftlichen/geologischen, einen historisch/kulturellen und aktuellen/sozialen Aspekt, der in Folingen verdichtet wird. In diesen Folies steckt das Vorgefundene, der Findling. Das Vorgefundene wird „verrückt“, um den Bewohnern einen neuen Blick auf das immer Dagewesene zu ermöglichen. Das wird die Bewohner/innen dazu bringen, über das nachzudenken was sie umgibt, es neu zu entdecken, um daraus gemeinsam neue Visionen zu entwickeln.

Findlinge sind Zeugen der Eiszeit. Von weit hergekommen, sind sie hier, nach Rückzug der Eismassen, liegengeblieben. In der Endmoränenlandschaft um Tosterglope gibt es unzählige Findlinge. Das Wort Findling beinhaltet: finden/gefunden. Die Folinge sollen im übertragenen Sinne gefunden/erfunden werden. Der Findling beinhaltet einen weiteren Aspekt: da er so riesig, in manchen Fällen unverrückbar ist, arrangiert man sich mit ihm. Man ackert um den „Stolperstein“ drumherum, womit er oftmals eher lästig ist. Wahrscheinlich werden utopische Architekturen im ländlichen Bereich anfangs sehr ungewöhnlich, lästig erscheinen.

Mich interessiert, wieweit es Architektur ermöglicht, gewohnte Sicht- und Denkweisen zu durchbrechen. Als Disziplin an der Schwelle von freier Kunst zu Angewandtem/Nützlichen, soll die Architektur als Vermittler fungieren.

Findlinge sind Gesteine, die verschoben oder auch verrückt worden sind. Die Folinge sollen verrückt im Sinne von irrational sein. Wie die Folies sollen sie absichtlich bestehende Regeln durchbrechen und Sichtweisen in Bezug auf den Ort verändern. Da verrückte Architekturen im ländlichen Raum einen Kontrast zur bestehenden Bebauung bilden, werden sie kritische Blicke der Gemeindemitglieder auf sich ziehen.

Wegbereiter „Schulsteig“

Vor langer langer Zeit gab es einmal einen Verbindungsweg zwischen den Dörfern Tosterglope und Ventschau – den Schulsteig. Vetschauer Kinder sind auf diesem Weg nach Tosterglope in die Schule gegangen und die Tostergloper Kinder sind zum Ventschauer See zum baden gegangen. Heute gibt es diesen Weg nicht mehr, er wurde mittels Landmaschine überpflügt.

Nun wünscht man sich den Weg wieder zurück, da er die kürzeste Verbindung der beiden Dörfer darstellt.

An dieser Stelle kommt der Foling: Wegbereiter „Schulsteig“ zum Einsatz – ein stromlinienförmiger Betonkörper, der durch sein Eigengewicht, von Landmaschinen gezogen, einen fest verdichteten Wanderweg hinterlässt. Jedes Jahr aufs neue wird auf diese Weise der Weg neu gepflügt. Auf dem Wegbereiter kann man übernachten und Lagerfeuer machen.

Schloss Barnbek:

Früher machten sich die Kinder der Dörfer – von ihren Großeltern geschickt – auf die Suche nach einem Schloss im Wald bei Ventschau. Nie wurde es von jemanden gesehen.

Der Foling: Schloss Barnbek ist eine im Waldboden versunkene Architektur. Eine steinerne Höhle im Wald, mit Wasser gefüllt. Nur Taucher können ihre Tiefen ergründen.

Pauseplatte Vierbuchen:

Zwischen Tosterglope und Köhlingen gibt es mitten auf dem Feld einen Vermessungspunkt, der von 4 Buchen umgeben ist. An dieser Stelle bietet der Foling: Pauseplatte Vierbuchen die Möglichkeit zu einer Rast oder Übernachtung. An dieser Stelle begegnen sich Einheimische und Vorbeiziehende. Die von Weitem klar lesbare Architektur steht im Kontrast zu ihrer amorphen Umgebung. Sie strahlt Standhaftigkeit und Sicherheit aus, vermittelt also Ruhe und Geborgenheit – die Voraussetzung für eine Übernachtung.

See Ventschau:

Im Ventschauer See steht ein wackelnder Foling. Kinder bringen die Struktur beim springen vom Sprungbrett oder wasserrutschen zum schwingen. Während dessen wackelt die Tasse Kaffee von Opa und die Torte von Oma. Die Rutsche geht mitten durch die Sitzplätze hindurch und ermöglicht – duch schnellen Griff – das erhaschen des ein oder anderen Tortenstücks oder Eis.

Der See soll auf diese Weise wiederbelebt werden und wird somit zu einem zentralen Begegnungsort von Jung und Alt.

Staumauer:

Gewohnheiten, Ängste, Vorurteile stauen sich. Die Staumauer dient als Symbol dafür. Sie hängt, verbunden durch ein 25000 km langes Stahlseil, an einem Satelliten. Einmal am Tag fliegt die Staumauer an der Gemeinde Tosterglope vorbei. Somit wird man – jeden Tag aufs Neue – daran erinnert, Ängste zu überwinden, Gewohnheiten zu durchbrechen, die alltäglichen Sorgen nicht all zu ernst zu nehmen. Denn in 25000 km Höhe gibt es diese Sorgen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr.

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